Ein Mädchen

Nach der Schule kam ein 9-jähriges Mädchen nach Hause und sah ihren Vater frustriert auf dem Sofa sitzen.

Tochter: „Geht es dir nicht gut, Papa?“
Vater sah seine Tochter an und schwieg.

Tochter: „Papa, heute habe ich mit Theo gestritten, nachdem der Mathelehrer mich wegen meiner Hausaufgaben gelobt hat.“

Vater: „Deine Klasselehrerin hat mich angerufen. Was war los?“

Tochter: „Nachdem der Lehrer mich lobte, habe ich mich sehr gefreut.
Als ich mich gefreut habe, sagte Theo zu mir: ‚Arschloch.‘“

Vater: „Was hast du dann gemacht? Die Lehrerin sagte am Telefon, dass du ihn dermaßen fertig gemacht hast, sodass er furchtbar geschrien hat und nicht weiterer am Unterricht teilnehmen konnte.“

Tochter: „Ich habe ihn nicht geärgert, habe ihm nur gesagt: ‚Du hast Recht, ich bin ein Arschloch. Jetzt schenke ich es dir, weil du keins hast.‘“

Vater: „Oh, Was war danach?“

Tochter: „Dann sagte er mir: ‚Hau ab!‘.  Ich erwiderte: ‚Zeige es mir, ich bin noch nicht so trainiert, wie man schnell verschwinden kann.‘“

Vater: „Sowas?“ Tochter: „Dann sagte er zu mir: ‚So eine blöde Kuh bist du.` Dazu sagte ich ihm: „Was bist du? Ein neidischer und vergifteter Eber, oder? Im Vergleich dazu ist eine Kuh harmlos und sehr nützlich.‘“

Vater sah seine Tochter entsetzt an.

Tochter: „Daraufhin sagte Theo: ‚Du bist doch krank.‘
Ich: ‚Natürlich bin ich krank, wenn ich nicht krank wäre, würde ich meine Zeit nicht mit dir vergeuden.‘“

Der Vater schlug die Hände über den Kopf und blieb sprachlos.

Tochter: „Danach sagte Theo zu mir: ‚Du bist eine hässliche Schlampe.‘
‚Ich werde so eine nicht übertreffen können, wie eine, die so einen wie dich auf die Erde gesetzt und erzogen hat.‘ antwortete ich.
Dann ist er heulend zu der Klasselehrerin gerannt.“

Lange sahen sich Vater und Tochter gegenseitig an.
Danach sagte der Vater: „Entschuldige dich mal bei ihm.“

Tochter: „Wofür?“ Dabei umarmte sie ihren ratlosen Vater und sprach:
„Ich habe dich lieb, Papa, aber ich lass mich nicht irritieren, auch nicht von dir.“

Ende der Szene.


Das Mädchen übermittelt uns folgende Botschaften und Klarheiten:

  • Nimm bitte nicht das an, was deine Würde verletzt. Schenke es gleich zurück.
  • Erkenne dein Recht, weiche nicht aus, auch nicht nachgeben.
  • Lass dir alles sagen, aber dich nicht irritieren.
  • Lerne alle Informationen, was du hörst und liest, passend zu sortieren und zu filtern.
  • Lieb-Sein oder Nett-Sein bedeuten nicht immer nachzugeben.
  • Habe bitte keine Angst, dass manche dich nicht mögen. Es wird den Menschen schwerfallen, dich zu mögen, wenn sie mit dir nicht auf gleicher Energieebene sind.
  • Habe bitte den Mut zu sein, wie du bist. Denke bitte daran: Wenn du dich nicht akzeptierst, wird es für andere schwierig dich zu akzeptieren.
  • Bleibe korrekt, mit der Zeit wirst du der Mensch, den du magst und brauchst.
  • Unterscheide Angriff und Kritik, entwickele deine Überzeugungen.
  • Habe Geduld, schaue nach ein paar Jahren, wie sich die Menschen entwickeln, die neidisch auf dich sind oder die dir dein Leben schwermachen wollen.
  • Deine Mitmenschen sind und bleiben wie ein Spiegel für dich, damit du dich korrekt kennenlernen kannst. Die Mehrheit ist und bleibt menschlich.

Mögen alle Mädchen und Jungen den Mut bewahren,
um so zu sein, wie sie sind.

Mögen alle Erwachsenen die jungen Menschen so akzeptieren,
wie sie sind und nicht versuchen sie zu irritieren.

Möge Jeder sich auf der Erde geborgen und sicher fühlen.

Eure Lian