Jeder schmiedet sein zukünftiges „Ich“

Eine Geschichte aus dem Alltag.

Ein weiser Mann aß in einem kleinen Restaurant in einem touristischen Gebiet. Er stellte fest, dass die Qualität der Gerichte und der Reis außergewöhnlich gut war und die Preise angemessen – ganz anders als in allen anderen Restaurants, die er an touristischen Orten erlebt hatte.

Er beobachtete, wie der Besitzer des Restaurants allein arbeitete und alles sorgfältig vorbereitet, sich bei allem Mühe gab: sowohl beim Bedienen der Gäste als auch beim Kochen war er äußerst sorgfältig und gewissenhaft.

Daraufhin entstand zwischen ihm und dem Restaurantbesitzer folgender Dialog:

Weiser: „Deine Gäste sind alle Touristen. Warum bist du so gewissenhaft? Selbst wenn du noch so sorgfältig arbeitest, wirst du kaum Stammkunden haben.“

Besitzer: „Ja, es sind alle Touristen.“

Weiser: „Die Touristen, die hereinkommen, sind wie Fische in deinem Netz. Ob du ihnen gutes Essen gibst oder sie mit schlechtem Essen abspeist – deine Arbeit bleibt gleich. Es macht keinen Unterschied zu dem Restaurant nebenan.“

Besitzer: „Das stimmt, aber für mich hat es eine andere Bedeutung. Die Touristen sind zum Reisen hier. Ich bin jemand, der kocht. Wenn ich jeden Tag darauf bestehe, mein Essen sorgfältig zuzubereiten, werde ich in ein paar Jahren ein gewissenhafter und verantwortungsvoller Mensch sein. Wenn ich nur auf meine Einnahmen schaue und mein Essen schlampig koche, werde ich in ein paar Jahren ein nachlässiger Mensch sein, der andere täuscht. Diese beiden ‚Ichs‘ sind zwei völlig verschiedene Menschen.“

Der Weise war tief bewegt von den Worten des Besitzers.

Der Besitzer erzählte dem Weisen weiter: „Mein Großvater arbeitete früher in einem Nudelladen. Der Ladenbesitzer war sehr streng und kritisierte ihn ständig. Um sich zu rächen, vergrößerte mein Großvater absichtlich die Menge von Nudeln und Gemüse, und bemühte sich noch sorgfältiger zu kochen.

Das Ergebnis war, dass das Geschäft des Ladenbesitzers immer besser lief. In jener Zeit, in der viele Menschen nicht genug zu essen hatten, mussten andere Läden schließen, weil sie ihre Portionen reduzierten. Aber alle liebten die Gerichte, die mein Großvater zubereitete. Später war der Ladenbesitzer gezwungen den Laden meinem Großvater zu übergeben.

Aus seinen Erfahrungen sagte mir mein Großvater oft: Egal, was du tust – es ist deine eigene Aufgabe. Wenn du es sorgfältig machst, gibst du deinem Leben die beste Antwort und zeigst dabei, dass du dich und dein Leben wertschätzt.“


Was für ein Mensch jemand wird, entscheidet nicht die Gesellschaft, auch nicht das Umfeld, sondern seine Einstellung zu seinem Leben und seinen Umgang mit sich selbst.

Menschen, die bei jeder Gelegenheit nur auf den eigenen Vorteil achten und das Maximum nehmen, verlieren immer mehr ihre Korrektheit und Authentizität.

Menschen, die sich bei jeder Gelegenheit korrekt verhalten, verbinden ihr Leben immer mehr mit der Quelle des Lebens.

Es sieht so aus, als ob sie vom Leben geliebt oder bevorzugt werden. In Wirklichkeit haben sie nur ihren Weg zur Lebensquelle aufgebaut.

Mögen immer mehr Menschen den Mut haben, ein würdiges „Ich“ für sich selbst zu schmieden!

 Eure Lian